Sorgfältig restauriert: Zwei klassizistische Gartenhäuser in den ehemaligen Bürgergärten

Gartenhaus 1innen
Gartenhaus 2 innen
Gartenhaus außen
Picknick in den Gärten

Klassizistische Gartenhäuser und ehemalige Bürgergärten

Mit der Zugehörigkeit zu Preußen wurde Arnsberg ab 1816 Regierungssitz und erlebte mit den nach Arnsberg ziehenden preußischen Beamten eine rege Bautätigkeit. Zwischen 1816 und 1841 entstand - unter der Bauaufsicht des Oberlandesbaudirektors Karl Friedrich Schinkel - um den neu angelegten „Neumarkt“ ein preußisches Regierungsviertel. Entlang der Königstraße wurden, auf sehr kleinen Parzellen, zahlreiche Wohnhäuser für die Beamten gebaut. Als Ausgleich für die kleinen Grundstücke erhielten die Eigentümer die Möglichkeit, die dahinter liegenden Grundstücke bis hinunter zum Mühlengraben hinzuzukaufen. Es entstanden zum Teil lange, zum Steilufer ins Ruhrtal nach Westen sich erstreckende, weitläufige Parzellen. Diese wurden, entsprechend dem Stil und Verständnis der Zeit, gärtnerisch gestaltet und als „grüne Refugien der Freude, Schönheit und Erbauung“ oftmals auch mit Gartenhäusern akzentuiert. Die Gartenhäuser wurden ohne trennende Terrassen direkt in den Garten hineingestellt. Der Zusammenprall zwischen streng gestaltetem Menschenwerk und sich frei entwickelnder Natur ist heute noch an dem vorhandenen Ensemble erlebbar.  

Durch die Neuanlage des Ensembles wurde die Aufenthaltsqualität erhöht und die romantisch-landschaftliche Gartengestaltung des frühen 19. Jahrhunderts erhalten.  
Das Gartenhaus „Twiete 6“ ist vermutlich zwischen 1830 und 1850 errichtet worden und gehörte zum Wohnhaus Königstraße 24. Hingegen wurde das ältere der beiden Gartenhäuser, „Twiete 8“ zwischen 1822 und 1830 errichtet und gehörte zum Wohnhaus Königstraße 28 (heute 36).   Beide Gartenhäuser haben eine klare Ausrichtung entsprechend der vorhandenen Geländetopografie und sind direkt an die Hangkante gebaut. Dies ermöglichte eine Unterkellerung mit ebenerdigem Zugang von Außen. Die Kellerräume dienten als Abstellraum und auch als Weinkeller. Neben den Aufbewahrungs- und Abstellmöglichkeiten wurden die Gartenhäuser auch für gesellschaftliche Veranstaltungen, zum Beispiel für Empfänge nach dem Kirchgang, genutzt. Nach einem anstrengenden Arbeitstag traf man sich hier mit Freunden zu einem vergnüglichen Abend. Zwischenzeitlich wurde das Gartenhaus „Twiete 8“ sogar als Wohnhaus des Gärtners genutzt.  
Die Architektur der Gartenhäuser zeichnet sich auch heute noch durch seine Einfachheit und Symmetrie aus. Sie ruhen auf einem massiven Sockel und haben eine mit Sauerländer Schiefer beschlagene Fachwerkkonstruktion die an der Nord-, Süd- und Westfassade mit großen Fenstern versehen wurde. Diese laden zum Blick „ins Grüne“ ein. Hierbei sollte durch klare Ein- und Ausblicke ein „Verschmelzen“ von Nutzer und Betrachter mit der Natur erreicht werden. Die Gebäudeeingangstür ist jeweils an der Ostfassade zentral angeordnet und über Blockstufen erreichbar. Der Gebäudezugang orientiert sich am jeweiligen Garten und dem dazugehörigen ehemaligen Wohnhaus. Die Eingangssituation des Gartenhauses „Twiete 6“ wird auch heute noch durch einen an den Barock angelehnten, vorgesetzten Ziergiebel aus Holz mit einfachem Pilaster akzentuiert.

WestART Meisterwerke Gartenhäuser